Bürokultur heute, Silke Heep-Rheinganz, Bacharach-Neurath
Bürokultur heute, Silke Heep-Rheinganz, Bacharach

Wenn du JA zu anderen sagst, pass auf, dass du nicht NEIN zu dir sagst. Paulo Coelho

 

Sie waren mal wieder mit Aufgaben beschäftigt, die eigentlich gar nicht zu Ihrem Job gehören? Sie haben schon wieder nicht das geschafft, was Sie sich eigentlich vorgenommen haben? Das Gefühl, fremdbestimmt zu sein, ist Ihnen nur allzu vertraut? Dann ist es möglicherweise Zeit, öfter „NEIN" zu sagen.

Eines gleich vorweg: Hat Sie dieser Zeitdieb im Griff, erfordert es schon etwas Übung und vielleicht auch ein wenig Mut, gegen ihn anzugehen. Doch bleiben Sie dran, es lohnt sich!

Was hindert uns denn eigentlich daran, nein zu sagen?

  • Wir fühlen uns geschmeichelt, wenn Kollegen und Freunde mit Fragen und Bitten zu uns kommen.
  • Wir fühlen uns verantwortlich. (Sind wir es wirklich?)
  • Wir wollen nicht unhöflich sein.
  • Wir haben Angst, ein Nein könnte unserer Karriere schaden.
  • Wir möchten nicht als unkollegial oder egoistisch abgestempelt werden.
  • Wir wollen nichts verpassen und überall dabei sein.
  • Wir wollen andere nicht verärgern, enttäuschen oder kränken.
  • Wir haben keine Lust auf Diskussionen, Streitereien und Konflikte.

Und ganz sicher fallen Ihnen noch weitere Gründe ein, oder?

 

Doch was haben wir nun davon, in den Kampf zu ziehen und es mit diesem Zeiträuber aufzunehmen? Diese Argumente sprechen dafür:

  • Wir haben mehr Zeit und Energie, Hektik und Überforderung werden weniger.
  • Unsere Selbstachtung steigt und damit auch unser Wohlbefinden.
  • Wir lassen uns nicht ausnutzen und verschaffen uns Respekt.
  • Wir arbeiten wieder selbstbestimmter.
  • Wir finden uns seltener in Situationen wieder, die uns unangenehm sind.


Bitte nicht falsch verstehen, es geht auf keinen Fall darum, jede Bitte abzulehnen. Es geht auch ganz sicher nicht um Arbeitsverweigerung. Gefragt ist verantwortungsvolles Handeln, das davor bewahrt, dass wir uns ausgelaugt und überfordert fühlen.


Nein sagen und Grenzen setzen – so klappt es:

Tipp
Tipp 1: Betreiben Sie Ursachenforschung
Fragen Sie sich, warum Ihnen das Ablehnen so schwerfällt. Auch wenn es unbequem ist: um erfolgreich etwas zu ändern, braucht es die ehrliche Erkenntnis.

Tipp 2: Weg der kleinen Schritte
Veränderungsprozesse erfordern Zeit und Übung - öfter nein sagen ist so ein Prozess. Also bitte langsam angehen und nicht zu viel auf einmal vornehmen.

Tipp 3: Sie bestimmen selbst
Es muss nicht immer gleich ein direktes Nein sein. Die Lösung kann auch so lauten: „Ich werde das erledigen, schaffe es aber erst morgen Nachmittag!" oder „Ab Montag nächster Woche habe ich wieder Kapazität frei. Wenn das für Sie nicht zu spät ist, unterstütze ich Sie gern." Wichtig: Nennen Sie möglichst einen genauen und realistischen Zeitpunkt.

Tipp 4: Die Körpersprache macht's
Sitzen oder stehen Sie aufrecht und halten Augenkontakt, zeigen Sie Ihrem Gegenüber, dass Sie es wirklich ernst meinen.

Tipp 5: Begründung liefern
Erklären Sie kurz und für den anderen nachvollziehbar, warum es Ihnen nicht möglich ist, die Aufgabe zu übernehmen.


Hier einige Beispiele:

  • Es tut mir leid, aber ich bin momentan mit dem von Frau Ernst beauftragten Projekt voll ausgelastet und kann Sie daher im Moment nicht unterstützen.
  • Ich würde Ihnen wirklich gerne unter die Arme greifen. Allerdings wissen Sie ja, dass der Fertigstellungstermin für das Projekt „Großraumbüro" ansteht, dem von der Geschäftsleitung oberste Priorität eingeräumt wurde. Gern helfe ich Ihnen anschließend, wenn Sie meine Hilfe dann noch benötigen.
  • Da ich gerade mit dem Autohaus-Meier-Auftrag voll ausgelastet bin, könnten Sie vielleicht Herrn Klein oder Herrn Groß um Hilfe bitten. Die kennen sich in dem Bereich sogar noch etwas besser aus als ich und werden Ihnen sicher weiterhelfen können.
  • Vielen Dank, dass Sie an mich gedacht haben. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass Sie mich fragen. Jedoch glaube ich nicht, dass ich der Richtige für diese Aufgabe bin. Deshalb muss ich leider ablehnen.

 

Und warum nicht einfach ehrlich sein, wenn Sie an einen besonders hartnäckigen Zeitgenossen geraten:

„Es tut mir wirklich leid, Sie enttäuschen zu müssen. Doch ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, häufiger nein zu sagen. Und da Sie besonders hartnäckig sind, ist das eine gute Gelegenheit, mich darin zu üben."

 

Viel Erfolg bei der Umsetzung!